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DesignBuild Projekte 2025

Aller guten Dinge sind elf

2025 fördern wir elf Projekte aus Deutschland, Österreich, Italien, Großbritannien und den USA. Diese Vorhaben stachen aus den Einsendungen heraus, weil sie unter anderem einen ungewöhnlichen Ansatz verfolgen, soziale Relevanz besitzen sowie interkulturell und interdisziplinär angelegt sind.

Hier findet ihr Details zu den einzelnen Projekten - viel Spaß beim Lesen!

Saalbaustraße 37

Architekturstudierende gestalten Stadtkultur

Ein ehemaliger Erotik-Shop wird zum Experimentierfeld für Architekturstudierende. In der Darmstädter Saalbaustraße 37 verwandelt das Kollektiv das blumen e.V. seit Mai 2024 ein leerstehendes Geschäft in einen multifunktionalen Kulturraum. Die Sto-Stiftung fördert das Projekt im Rahmen ihres DesignBuild-Wettbewerbs 2025 und ermöglicht damit eine ungewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Kulturschaffenden.

 

Das Kollektiv das blumen e.V. hat sich die Aufgabe gestellt, einen Raum zu schaffen, der mal Konzertlocation, mal Ausstellungsraum, mal Café sein soll. Die Studierenden entwarfen mobile Möbel, die zu den unterschiedlichen Nutzungszwecken passen, und standen vor einer klassischen DesignBuild-Herausforderung: Verlangt war keine Papierarchitektur, sondern etwas Handfestes, das funktional, erschwinglich und realisierbar ist.

Im Vorfeld hatten 13 ehrenamtliche Mitglieder bereits den Boden verlegt, Wände verputzt, einen Lagerraum mit einem Regalsystem ausgestattet und die Elektrik installiert. Sie zeigten den Studierenden, wie man mit wiederverwendetem Holz arbeitet und den Bestand intelligent umnutzt.

Die Herausforderung lag im Spannungsfeld zwischen studentischer Kreativität und baulicher Realität. Eine professionelle Gastrospülmaschine, drei Kühlschränke und ein durchdachtes Farbkonzept waren bereits durch einen kollaborativen Prozess gesetzt. Die Studierenden mussten ihre Möbelentwürfe in diese Struktur integrieren. Das Projekt gewann dadurch an Komplexität und Praxisnähe. Im nächsten Schritt werden die Möbel in einem gemeinsamen Workshop gebaut. Die Saalbaustraße entwickelt sich damit immer mehr zur Werkstatt für Ideen drinnen und zum offenen Treffpunkt für alle draußen.

 

Das macht das Design-Projekt besonders:

  • Ziviles Engagement schafft (Kultur-)Raum

  • Darmstadt bekommt einen neuen Platz für Workshops, Ausstellungen, Musik und Film.

  • Der Bund Deutscher Architekten Hessen zeichnete das blumen e.V. mit dem Preis für „Baukultur in Hessen 2024/2025“ aus.

das blumen e.V.

Marinella Beach Life Towers

Ein Rettungsturm für Mensch und Meer

Das macht das Design-Projekt besonders:

  • Lernen durch Bauen: Studierende entwerfen und realisieren ein Bauwerk mit gesellschaftlicher Wirkung.

  • Mehr Sicherheit und Identität für Porto Empedocle.

  • Ein Impuls für nachhaltigen Tourismus an Siziliens Küste.

Auf Sizilien zeigen Studierende aus Palermo und Stuttgart, was Architektur leisten kann: Sie bauen gemeinsam mit Einheimischen einen Rettungsturm, der Sicherheit, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft verbindet.

 

Im Frühjahr 2025 startete das DesignBuild-Projekt „Marinella Beach Lifeguard Towers“. Mit den Rettungstürmen will Porto Empedocle die Sicherheit am Strand verbessern und zeigen, wie klug geplante Küstenarchitektur Leben schützt. Studierende entwarfen in Stuttgart sechs Varianten, bevor sie im Juni am Strand von Marinella Hand anlegten. Acht Tage lang bauten sie Seite an Seite mit Handwerkerinnen und Handwerkern sowie lokalen Umweltinitiativen einen Prototyp des Rettungsturms.

Ein Prototyp befindet sich im Torre di Carlo V – als Teil der Ausstellung Mare comune (gemeinsames Meer). Dort zeigte er, wie aus Holz, Sand und Geschichten ein Symbol für nachhaltiges Bauen entsteht. Das Projekt bringt die Menschen vor Ort zusammen, stärkt ihr Bewusstsein für Umwelt und Zukunft und macht die Sto-Stiftung sichtbar als Partner, der Bildung, Forschung und Gemeinsinn fördert.

Universität Stuttgart

Universität Palermo

plug-in – associazione culturale

HafenCity Universität Hamburg

Headland: Vom Brachland zum Festivalort in der HafenCity Hamburg

Headland ist Architektur zum Anfassen. Auf einer innerstädtischen Brachfläche am Baakenhöft in Hamburgs HafenCity entwarfen und bauten Architekturstudierende der HafenCity Universität im Sommer 2025 eine temporäre Festival-Architektur. Möglich machte das die Sto-Stiftung als Hauptförderer des DesignBuild-Projekts.


Vom Brachland zum Kulturort: Das Baakenhöft in Hamburgs HafenCity liegt seit Jahren brach. Genau diese leere Fläche nutzen Studierende der HafenCity Universität. Sie untersuchten den Ort, entwickelten ein Festivalkonzept und bauten mit recycelten Materialien einen Pavillon plus Satelliten-Strukturen.

Die Herausforderungen: ehrenamtliche Organisation, Genehmigungsverfahren, knappes Budget.

Die Lösung: Kooperationen, Leihgaben, Engagement. Rund 25 lokale Initiativen und Vereine beteiligten sich, brachten ihre Ideen ein und zeigten, wie vielfältig Kultur und Teilhabe auf ungenutzten Flächen möglich sind. Workshops, Theatervorführungen und Live-Musik machten am 12. Juli 2025 aus der Brache einen lebendigen Kulturort und zogen 2.500 Besucherinnen und Besucher an.  

HafenCity Universität

Das macht das Design-Projekt besonders:

  • Echtes Bauen statt Theorie: Studierende entwarfen, planten und errichteten eigenständig einen Pavillon und mehrere Satelliten-Bauten aus recycelten Materialien unter Anleitung von Handwerkerinnen und Handwerkern.

  • Stadtteilleben spürbar machen: Die Besucherinnen und Besucher erlebten die Brachfläche als offenen und niederschwelligen Begegnungsraum für alle Generationen.

  • Netzwerk statt Elfenbeinturm: Studierende knüpften direkte Verbindungen zu Anwohnern, Initiativen, Handwerksbetrieben und der Hamburger Öffentlichkeit.

University of Oregon, USA

Wo Architektur Brücken baut: Eine Küche für obdachlose Menschen in Oregon

Das macht das Design-Projekt besonders:

  • Hands-on-Erfahrung: Studierende planen, bauen und erleben von der ersten Skizze bis zur Einweihung den kompletten Prozess.

  • Soziale Kompetenz: Partizipatives Design mit echten Menschen schärft das Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung.

  • Sozialer Treffpunkt: Der neue Raum schafft Identität am zentralen Kreuzungspunkt des Village.

  • Respekt und Teilhabe: Die Bewohnenden bestimmen mit und prägen mit ihren Bedürfnissen das Design.

University of Oregon, USA
Leitung: Prof. Ursula Hartig, Prof. Marta Petteni
Lokale Initiativen und Vereine

15 Studierende der University of Oregon haben Theorie in Praxis verwandelt: Unter Leitung der Professorinnen Ursula Hartig und Marta Petteni entwarfen und bauten sie im Programm Bruton Design Intensive (BDI) eine Außenküche für das Everyone Village – eine Übergangsunterkunft für 70 obdachlose Menschen in Eugene, Oregon. Die Sto-Stiftung fördert das Projekt im Rahmen ihres DesignBuild-Wettbewerbs.

Zwei Jahre, ein gemeinsames Ziel: vom Eingang zur Küche

Das Programm Bruton Design Intensive (BDI) folgt einer klaren Formel: Erst zuhören, dann bauen. 2024 entstand so ein einladender Eingang ins Everyone Village – er ersetzt eine nüchterne Tür in Lagerhallenoptik und signalisiert: Hier beginnt ein geschützter Raum. 2025 ging das Projekt mit dem Schwerpunkt Food weiter, denn Essen verbindet. Das Ziel: eine Erweiterung der Gemeinschaftsküche, die sowohl individuelles Kochen als auch geselliges Beisammensein ermöglicht.

Der Bauprozess: von der ersten Woche bis zur Einweihung

Woche 1: Zuhören, ausprobieren, reflektieren

Die Villager erzählten von persönlichen Geschichten, Traumata und der Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten. Bislang gab es nur provisorische Pavillonzelte, die regelmäßig vom Wind zerstört wurden. Die Studierenden übersetzten die Gespräche in Architektur: Sie bauten aus Karton eine Küche im Maßstab 1:1 und überdachten dabei ihre eigenen Essgewohnheiten. Ein gemeinsames Barbecue beendete den ersten Besuch stimmungsvoll. Anschließend kam eine Gruppe von Villagern auf den Campus, um das entstehende Design zu diskutieren.

Woche 2: Bauen in der Holzwerkstatt

Wie schon beim ersten Projekt entstand eine offene Lattenkonstruktion. Die Studierenden sägten erneut 400 Bretter zu, montierten Fundamente, installierten ein barrierefreies Außenwaschbecken und einen höhenverstellbaren Arbeitstresen. Die größte Herausforderung: Die neue Küche, an die der Anbau anschließen sollte, existierte noch nicht – Freiwillige aus dem Kurs errichteten die Fassade, damit das Projekt starten konnte. Eine weitere Hürde: Das Gebäude erwies sich als nicht ganz rechtwinklig, sodass die Studierenden immer wieder improvisieren und ihre Pläne anpassen mussten.

Die Einweihung

Nach zwei Wochen war es geschafft: Villager, Nachbarn sowie die akademische Gemeinschaft weihten den neuen Begegnungsraum feierlich ein. Er soll zum Herzstück des Villages werden – dort, wo sich Wege kreuzen und die vielbesuchte Raucherecke liegt.

TU Wien

Aus der Holzbaracke wird ein Atelierhaus

Das macht das Design-Projekt besonders:

  • Praxiserfahrung statt Theorie: Studierende erleben den kompletten Bauprozess von der Planung über die Behördengenehmigung bis zum Schweißen und Betonieren vor Ort.

  • Infrastruktur für die Kunst: Das Symposion Lindabrunn erhält ein zeitgemäßes Zentrum mit Residenzplätzen, Gemeinschaftsraum und Ausstellungsfläche für internationale Kunstschaffende.

  • Architektur mit gesellschaftlichem Mehrwert: Das Projekt verbindet akademisches Lernen mit konkretem Nutzen für eine gemeinnützige Kultureinrichtung.

24 Architekturstudierende der TU Wien bauen eine sanierungsbedürftige Holzbaracke im Skulpturenpark Lindabrunn zu einem funktionalen Vereinshaus um. Mit Unterstützung der Sto-Stiftung entstand vom Entwurf bis zur Einweihung in Eigenregie ein reizvoller Ort für die Kunst.

 

Im Wintersemester 2024/25 entwickelten die Studierenden im design.build studio der TU Wien unter Professor Peter Fattinger den Entwurf. Die Herausforderung: eine stark sanierungsbedürftige Baracke mit 150 Quadratmetern Grundfläche aus den 1980er-Jahren mit begrenztem Budget funktional und gestalterisch weiterzuentwickeln. Die Nachwuchstalente versetzten die Frontfassade zwei Meter nach vorne. Das schafft Raum für einen lichtdurchfluteten Gemeinschaftsbereich. Ein großformatiges Sitz- und Liegefenster verbindet Innenraum- und Außenanlage, ein Eckfenster mit Schiebeflügeln dient bei Veranstaltungen als Ausschank.

Im Sommersemester 2025 folgte die Bauphase. Die Studierenden rissen die alte Fassade ab, schweißten eine Stahlkonstruktion für die wettergeschützte Freifläche, gossen monolithische Betonelemente für Freiluftküche und Sitzbank. Sie schliffen die Oberflächen des Ökobetons von Hand ab, die auf den lokalen Lindabrunner Konglomeratstein Bezug nehmen. Das Gestein wurde durch die jährlichen Bildhauersymposien bekannt, die von 1967 bis 1997 im Skulpturenpark stattfanden.

Für das Symposion Lindabrunn bedeutet das Projekt einen infrastrukturellen Quantensprung: Künstlerinnen und Künstler finden inmitten eines 24 Hektar großen Skulpturenparks nun einen zeitgemäßen Ort zum Wohnen, Arbeiten und Ausstellen. Die Sto-Stiftung sowie der Fonds für Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich unterstützten das Projekt.

TU Wien

Baukreisel e.V.

Treffpunkt statt Trümmer

Studierende bauten aus Abbruchmaterial einen Raum für Jugendliche

Die reuse.practice Spring School 2025 zeigt, wie Architekturstudierende mit Wiederverwertung echte Wirkung erzielen. Dank der Förderung der Sto-Stiftung entstand im Asiat-Park bei Brüssel ein multifunktionaler Raum für Jugendliche – gebaut aus alten Materialien und neuen Ideen.

20 Architekturstudierende aus ganz Europa bauten im April 2025 unter Anleitung von Baukreisel e.V. ein altes Kasernengebäude im Asiat-Park in Vilvoorde bei Brüssel um. Das Ziel: Einen Ort für Jugendliche mit Bühne, Tonstudio, Küche, WC und Treffzone zu schaffen. Das Projekt lief in drei Phasen: Materialbeschaffung aus Abrissgebäuden, Planung vor Ort und schließlich der Umbau.

Die Studierenden entwickelten Wandmodule, Möbel und Raumkonzepte und arbeiteten zusammen mit lokalen Initiativen auf der Baustelle. Unterstützt wurden sie von Handwerkern – finanziert durch die Sto-Stiftung. Studierende, Anwohner und Jugendliche bestimmten gemeinsam Form und Funktion. Die größte Herausforderung? Alles musste aus alten Teilen entstehen, von Fenstern über Ziegel bis zu Rohren. Das Ergebnis ist ein lebendiges Beispiel für die Bauwende.

Das macht das Design-Projekt besonders:

  • Studierende lernen zirkuläres Bauen direkt in der Praxis

  • Jugendliche aus Vilvoorde erhalten einen neuen sozialen Treffpunkt

  • Wiederverwendung schafft Sichtbarkeit für nachhaltige Bauweisen

Baukreisel e.V.