Nachbericht Sundhausen: Ort des Lernens und Lehrens
Die Bauhütte SNDHSN ist ein Hands-on-Workshops für Architektur-Studierende sowie Gesellinnen und Gesellen, Meister-Schülerinnen und -Schüler des Ausbaugewerbes. Sie ist ein Experiment gelebter Zusammenarbeit. Ralf Pasel, Professor für Architektur an der TU Berlin und Stiftungsrat Architektur bei der Sto-Stiftung, sagt: „Hier bringen wir Lehre, Praxis und Forschung zusammen. Wir untersuchen, wie beide Gruppen, also Planung und Ausführung, am Bau voneinander profitieren können.“ Dabei entstanden in der diesjährigen Kooperation nicht nur handfeste Ergebnisse wie eine Terrasse aus recyceltem Terrazzo und eine überdachte Bushaltestelle, sondern auch ein neues Miteinander.
Leuchtend pinke Details bringen in diesem Herbst Farbe in den grauen Alltag: Die Fenster erhielten eigens gebaute Vordächer, aus demselben Holz entstanden ein Sitzplatz an der Bushaltestelle mit integrierter Tauschbox für Obst und Gemüse aus dem Dorf. Ein großes Stück der Außenwand bekam einen neuen Anstrich. Der ehemalige DDR-Supermarkt entwickelt sich immer stärker zum Schmuckstück der kleinen Gemeinde.
Lernen über Grenzen hinweg
Neben Studierenden der TU Berlin machten auch Nachwuchstalente aus Chile, Israel, Österreich und den Niederlanden mit. Damit beweist die Bauhütte, wie internationale Kooperation, handwerkliches Geschick und architektonisches Denken zusammenwirken können. „Planung und Praxis arbeiten hier wirklich Hand in Hand. Die einen planen, die anderen setzen um, und beide lernen voneinander“, sagt Max Biebrich. Der Fahrzeuglackierer-Meister sowie Farb- und Lack-Techniker beginnt gerade ein Studium zum Berufsschullehrer. Er war mit Feuereifer beim Projekt dabei: „Besonders spannend ist, wenn die Praxis den Plan korrigiert und Kopfmenschen plötzlich mit leuchtenden Augen den Akkuschrauber schwingen“, sagt er lachend. So wächst in Sundhausen eine Gemeinschaft über Grenzen und Gewerke hinweg. „Die Bauhütte Sundhausen 2025 ist kein gewöhnlicher Bauworkshop. Hier treffen junge Leute aus Handwerk und Architektur aufeinander, um Ideen in Holz, Stein und Stahl zu übersetzen. Theorie und Praxis reiben sich und Neues entsteht. Ein Ort, an dem sich Hand und Kopf verbünden“, bringt es Ingeborg Totzke, Stiftungsrätin Handwerk, auf den Punkt.
Veronika Schubach, Architektin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Berlin ergänzt: „Das Besondere an diesem Projekt: Es entwickelt sich Jahr für Jahr mit engagierten Menschen und neuen Ideen weiter.“ So stecken im neuen Terrazzoboden alte Porzellanteller, Glasscherben und wiederverwertetes Gestein aus dem Dorf. Während des Semesters planten die Studierenden die Bauprojekte, die sie dann Seite an Seite mit den Meisterschülern sowie lokalen Handwerkerinnen und Handwerkern vor Ort umsetzten. Alle Teilnehmenden lernen voneinander und erleben, wie Entwürfe Wirklichkeit werden und sichtbare Spuren hinterlassen.
Baustaub, Beats und Begegnungen
Zwischen Schleifpapier und Akkuschrauber sorgte das gemeinsame Kochen und Essen für einen abwechslungsreichen internationalen Austausch: Jeden Tag kochte ein anderes Team und brachte Rezepte aus der eigenen Heimat auf den Tisch. Die Teilnehmenden tauschten sich nicht nur über Bauthemen, sondern auch über Gewürze, Gewohnheiten und Geschmäcker aus. Den krönenden Abschluss bildete eine gemeinsame Feier im Bürgersaal, bei der Studierende, Handwerksprofis und Menschen aus dem Dorf zusammenkamen. Sie erlebten einen Abend voller Musik, Gesprächen und dem Gefühl, Teil einer großen, internationalen Gemeinschaft zu sein.
Die nächsten Bauhütten sind schon in Planung. Ralf Pasel: „In den kommenden Jahren widmen wir uns wieder der innenräumlichen Umnutzung des alten DDR-Supermarkts. Es bleibt spannend.“








