Seminare & Branchen-Events für unsere Techniker-Stipendiatinnen und -Stipendiaten
Praxis, Persönlichkeitsentwicklung und Vernetzung – zwei Mal im Jahr
Zwei Mal im Jahr laden wir Dich als Stipendiatin oder Stipendiat zu unseren Seminaren ein – mit einer Mischung aus Praxis, Persönlichkeitsentwicklung und kulturellem Programm. Dazu kommen Branchen-Events, bei denen Du Dich fachlich weiterentwickelst und Dich im Bereich Handwerk und Architektur richtig gut vernetzen kannst.
Unsere Seminare
Seminar Stühlingen 2026
Farbe erleben, Forschung verstehen
Das Farb- und Lacktechniker-Seminar 2026
Wie wirken Farbkombinationen auf Menschen? Was verändert sich, wenn Kalk, Leinöl oder Silikat auf Pigmente trifft? Und wie viel Kraft braucht es, bis eine Putzschicht nachgibt? Wer diese Fragen nicht nur theoretisch beantworten, sondern hautnah erleben wollte, war beim Farb- und Lacktechniker-Seminar 2026 der Sto-Stiftung genau richtig. Zwölf Stipendiatinnen und Stipendiaten verbrachten Ende April drei intensive Tage an der deutsch-schweizer Grenze – zwischen Zürich und Stühlingen – und tauchten tief in Gestaltung, Werkstoffkunde und angewandte Forschung ein.
Tag 1: Farbe gestalten im Haus der Farbe in Zürich
Der erste Seminartag führte die Gruppe ins Haus der Farbe in Zürich – eine Fachschule für Gestaltung in Handwerk und Architektur, die sich intensiv mit Farbe im architektonischen Kontext beschäftigt. Die Teilnehmenden erfuhren, wie Schweizer Gemeinden und Kantone mithilfe abgestimmter Farbwelten das Erscheinungsbild ihrer Bausubstanz prägen. Das Institut entwickelt Farbreihen, die Bauherrinnen und Bauherren bei Neubau und Renovierung als Orientierung dienen.
Im praktischen Teil stellten die Stipendiatinnen und Stipendiaten bewusst harmonische und dissonante Farbkombinationen zusammen – und beurteilten die Ergebnisse gemeinsam. Die Erkenntnis war eindeutig: Gute Gestaltung braucht Mut. Wer nur auf bewährte, sichere Lösungen setzt, verschenkt Potenzial. Die Gruppe nahm mit, ungewöhnlichere Kombinationen gezielter auszuprobieren.
Ergänzend dazu testeten die Nachwuchstalente verschiedene Bindemittelsysteme – von Kalk über Leinöl und Acrylat bis zu Silikat – und beobachteten, wie sich diese auf Pigmente auswirken. Auch die Deckkraft unterschiedlicher Anstrichfarben prüften sie anhand von Musterplatten. Theorie und Praxis waren von Anfang an eng verzahnt.

Gemeinschaft als stärkstes Argument
Den Abschluss des Seminars bildete eine Felsenfahrt am Rheinfall. Nach drei Tagen voller Fachwissen, Diskussionen und praktischer Übungen blieb dort Zeit für Gespräche, Lachen und den Aufbau echter Verbindungen. Genau dieser Austausch machte das Seminar für viele Teilnehmenden zum besonderen Erlebnis.
Die Sto-Stiftung schafft mit ihrem Stipendienprogramm nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern vor allem ein Netzwerk, das junge Handwerkerinnen und Handwerker langfristig stärkt. Die Seminare zeigen, wie breit das Berufsfeld geworden ist: Nachhaltigkeit, Materialentwicklung, Energieeffizienz, Gestaltung und Forschung sind längst feste Bestandteile des modernen Ausbaugewerbes.







Tag 2: Forschung zum Anfassen bei Sto in Stühlingen
Am zweiten Tag ging es weiter nach Stühlingen zum Hersteller Sto – einem der führenden Anbieter von Farben, Putzen, Lacken sowie Beschichtungs- und Wärmedämmverbundsystemen. Der Einstieg erfolgte in der Sto-Infofabrik, einem rund 650 Quadratmeter großen Besucherzentrum, das Technik, Design und Unternehmensgeschichte verbindet.
Besonders beeindruckte die Gruppe der Blick in die Materialprüfung. Dort lernten die Stipendiatinnen und Stipendiaten, wie das Sto-Labor Geruchsbelästigungen von Farben untersucht: In speziellen Emissionskammern messen Fachleute, wie lange Lacke Lösemittel an die Raumluft abgeben. Geschulte Prüferinnen und Prüfer bewerten zusätzlich die Geruchsintensität nach standardisierten Verfahren.
Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung gewährte Einblicke in aktuelle Themen rund um Putze und pastöse Armierungen. Dabei führten die Teilnehmenden sogenannte Ziehversuche durch: Eine Maschine zieht kontrolliert an zwei verbundenen Materialien, bis die Verbindung nachgibt oder reißt. So lässt sich exakt messen, wie fest ein Putz haftet und wie belastbar eine Farbschicht ist.
Ein weiterer Programmpunkt führte die Gruppe in eine EOTA-Kammer (European Organisation for Technical Assessment). Dort werden reale klimatische Bedingungen simuliert, um Fassaden- und Wärmedämmverbundsysteme unter Belastung zu testen. Abgerundet wurde der Tag durch einen Fachvortrag zu bionischen Farben – Oberflächen, die von natürlichen Vorbildern wie dem Lotus inspiriert werden und durch spezielle Prüfverfahren validiert sind.








Seminar Hamburg 2024
Kopf und Hand verbinden: Tagung zur Stadtgestaltung mit Farbe
So ging es im Herbst 2024 für interessierte Stipendiatinnen und Stipendiaten nach Hamburg zur internationalen Tagung „Stadt.Land.Farbe“. Wie Farbe mehr Qualität in urbane und rurale Zusammenhänge bringen kann, war Thema der Tagung, die Ende September an der Fachschule Farbtechnik in Hamburg unter Leitung von Thomas Mönkemeyer stattfand.
Im Fokus: der Austausch zwischen Handwerk, Architektur, Wissenschaft und Kunst. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten miteinander und probierten sich gemeinsam in praktischen Workshops aus. Auch die Sto-Stiftung war dabei mit Ingeborg Totzke, Anne Bambauer sowie einigen aktuellen und ehemaligen Farb- und Lacktechnik-Stipendiatinnen und -Stipendiaten. Sie nutzten die Veranstaltung, um den von der Stiftung forcierten Kopf & Hand-Gedanken live zu erleben, neue Impulse zu bekommen und ihre Projekte vorzustellen.




Beispielsweise AIT-Stipendiatin Franziska Kocks: Sie präsentierte ihre Masterarbeit auf der Tagung und war bereits im Vorfeld an der Fachschule, um mit den Schülerinnen und Schülern über die Verbindung zwischen Architektur und Handwerk bei der Nutzung von Farbe als Gestaltungsmerkmal zu sprechen. Von den unterschiedlichen Sichtweisen auf das Thema profitierten beide Seiten enorm. Auch Alexandra Guth war vor Ort. Sie will nach Abschluss ihres Farb- und Lacktechnik-Meisters studieren. Bei der Tagung hat sie sich mit Architektinnen und Architekten ausgetauscht, um Einblick in deren Denken und Arbeiten zu bekommen. Dieses Wissen kann sie für ihr Studium und ihre angestrebte spätere Tätigkeit als Berufsschullehrerin nutzen. In Hamburg präsentierte zudem Stipendiat Maximilian Biebrich sehr eindrucksvoll, wie virtuelles Lackieren funktioniert – damit können Azubis ihr Handwerk erlernen, ohne Material zu verschwenden.
Seminar Stühlingen 2024
Das besondere Extra
Fortführung des Stipendiums zum staatlich geprüften Farb- & Lacktechniker
Eine gelungene Mischung aus Praxis, Persönlichkeitsentwicklung und kulturellem Programm – so beschreibt eine der Teilnehmerinnen das vergangene Seminar der Sto-Stiftung. 17 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus zwei Jahrgängen (2022 bis 2024 und 2023 bis 2025) trafen sich an drei Tagen im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet. Das Leitprinzip „Kopf & Hand“ der Stiftung spiegelte sich im Programm wider: Die Nachwuchstalente durften einen Blick hinter die Kulissen eines süddeutschen Farben- und Putzherstellers werfen und lernten bei einem Persönlichkeitstraining viel über sich und andere. Der gemeinsame Besuch am Rheinfall bei Schaffhausen war nicht nur repräsentativ für den alemannischen Raum, sondern bot auch Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen.
„Der Zusammenhalt im Team war toll. Ich habe viel über andere Denkweisen erfahren, neues Wissen erworben und bin interessanten Persönlichkeiten begegnet“, blickt Antonia Peter, die seit 2022 bei der Weiterbildung dabei ist, auf das Seminar zurück.
Maximilian Biebricher ergänzt: „Ich wollte nach der Ausbildung zum Kfz-Lackierer noch mehr lernen. Damit ich nicht nur gewöhnliche Aufgaben erledigen, sondern auch individuelle Wünsche erfüllen kann – sozusagen das besondere Extra. Das Zusammenspiel aus Gestaltung und Technik fasziniert mich.“ Er steht kurz vor seinem Abschluss und fand insbesondere den Herstellerbesuch spannend.




Die Sto-Stiftung fördert Studierende an sieben deutschen Fachschulen mit einem eigenen Techniker-Stipendium. Damit unterstützt sie die jungen Menschen dabei, den Abschluss „staatlich geprüfte/r Techniker/in“ zu erreichen, in dem die Meisterprüfung im Maler- und Lackiererhandwerk enthalten ist. „Wir setzen dabei nicht nur auf eine finanzielle Zuwendung, sondern bieten unseren Schützlingen begleitende Seminare an“, erklärt Ingeborg Totzke, Stiftungsrätin Handwerk. Als Teil des Sto-Netzwerks treffen sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten zwei Mal im Jahr. Für das Stipendium können sich alle Farb- und Lacktechnikerinnen und -techniker mit einer Note von 2,4 oder besser bewerben.



















