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Architekturprosa aus Form und Material

24.11.2014

Architekturprosa aus Form und Material

24.11.2014 Carme Pigem, RCR Arquitectes, Olot, Spanien Architektur und bildende Kunst sind lediglich zwei Möglichkeiten, eine Geschichte von Anfang bis zum Ende zu erzählen. Carme Pigem, Mitbegründerin des katalanischen Architekturtrios RCR Arquitectes, stellte bei den November Talks 2014 in Graz die Werkzeuge vor, mit denen ihr Team Geschichten in gebaute Welten verwandelt.


Was ist ein Leuchtturm? Ein Turm? Ursprünglich diente doch ein Feuer dazu, den Schiffen ein Signal zu geben, also kann ein Leuchtturm auch als Gebäude realisiert werden. „Worum geht es wirklich?“ – das sei die primäre Fragestellung vor jedem neuen Projekt, sagt Carme Pigem, die 1962 im katalanischen Olot geboren wurde. Eine Aufgabenstellung herunterbrechen auf ihr Grundprinzip, darum gehe es, und dabei niemals die Umgebung, die Natur außer Acht lassen. Wie beim Estadio de Atletismo (1999 – 2001, Olot). Kein einziger Baum fiel der elliptischen Laufbahn zum Opfer. Die Sportler laufen durch die Natur, „wie bei den ersten Olympischen Spielen“. Die Vulkanlandschaft im Nordosten Spaniens im Pyrenäenvorland bietet die Vorlage für diese Mischung aus Natürlichem und Menschengemachtem. Das Licht spielt sich in den künstlichen Terrassen, bricht sich in Zwischenräumen der hohen Bäume. Gemeinsam mit ihrem Team – aus den drei Gründern Rafael Aranda, Carme Pigem und Ramón Vilalta ist eine architektonische Tafelrunde geworden – setzt Carme Pigem ihre drei Hauptwerkzeuge an, um in einem langen Prozess („Das kann 5 Jahre dauern!“) ein preisgekröntes Projekt nach dem anderen umzusetzen.


Aquarelle, das erste Werkzeug, bestimmen den Anfang des Vortrags. Abstrakte Formen, in der Farbpalette strikt reduziert, erinnern eher an Traumbilder als an architektonische Entwürfe. Die Atmosphäre, die Verortung im Raum, schaffen digitale Renderings, Werkzeug Nummer zwei. Auch hier entsteht der Eindruck, als dienten die Entwürfe der Computerkunst selbst, als sei das Gemälde aus Pixel der eigentliche Grund für genau diesen Entwurf. Modelle aus Papier, Glas und Holz, Schritt drei, bringen das Design dann in die Realität und verleihen ihm Volumen und Proportionen. Wenn das Projekt schließlich als Bauwerk im Raum steht, wird es wieder zur Fotografie, der Kreis zum Aquarell schließt sich. „Es geht darum, eine Geschichte zu erzählen“, sagt Pigem.


Im urbanen Raum übernehmen bestehende Gebäude die Rolle der Natur. Als das Teatro La Lira (2003, Ripoll, Spanien) abgerissen wurde, entstand ein öffentlicher Platz. Doch die Besucher, die den Raum über eine schmale Brücke erreichen, bleiben weiterhin „Schauspieler auf dem Set“. Zum Protagonisten wurde der Leerraum zwischen den alten Gebäuden. „Architektur braucht die Lücke, wie die Musik die Pause braucht“, erläutert Pigem das Konzept. Leerräume spielen auch beim überdachten Gastgarten des Restaurante Les Cols (2002 – 2003, Olot) eine große Rolle. Als Inspiration nutzte Pigem die impressionistische „Musik im Tuilieriengarten“ von Manet – feiernde Menschen, mitten im Wald. Aus Bäumen wurden in Pigems Gastgarten transparente Kunststoffwände, zwischen denen tatsächliche Bäume durch Lücken im Dach wie im Nebel emporwachsen. Metallische Stäbe, gebogen durch ihr eigenes Gewicht, begrenzen den Gastgarten. Die Natur ruft am lautesten auf dem Weg zur Toilette – hier ist der Raum nach oben offen. Der erste Museumsbau RCR Arquitectes war auch das erste Projekt in Frankreich. Im Musée de Saulages in Grand Rodez zeigt Pierre Saulages, einer der bekanntesten abstrakten Künstler Frankreichs, seine Werke. 6.600 Quadratmeter Fläche bietet der Museumskomplex, 500 davon bilden den Hauptraum, der die temporäre Ausstellung beherbergt. Die kleineren Abteilungen sind in kubischen „Räumen in Räumen“ angeordnet. Auf drei Niveaus erstreckt sich der Bau, sorgfältig durchberechnet, damit sich die Würfel perfekt an die Topografie anschmiegen. Strikt reduziert wirkt das Material – Kortenstahl mit seinem klassischen Rostlook. „Die Aufmerksamkeit muss sich auf den Raum richten, nicht auf die Vielfalt von Farben und Formen“, erklärt Pigem ihr Bekenntnis zur Einfachheit. Glatt, hart und geometrisch balancieren die kubischen Elemente auf den sanften Hügeln, wie rostige Container, die immer noch auf ihre Befüllung warten. Über dem Eingangsbereich kragt eine kräftige Bauchladenterrasse aus und bildet einen Schirm über den Besuchern. Bei der Gestaltung behielten RCR Arquitectes den Hintergrund immer im Blickfeld: Den bildet die Cathédrale Notre Dame de Rodez. „Es geht immer um das Gesamtbild, die ganze Geschichte.“


Rafael Aranda, Carme Pigem and Ramon Vilalta schlossen ihre Studien an der Technical School of Architecture of El Vallès ab und arbeiten seit 1988 als RCR Arquitectes zusammen in ihrer Heimatstadt Olot. Die Liste der Auszeichnungen ist lang – vom Leuchtturm in Punta Aldea im Jahr 1988 bis zu neueren Projekten wie dem Krematorium in Hofheide, Belgien, oder die neuen Meditel Headquarters in Casablanca. Das Stadion Tussols-­‐Brasil in Olot ist mit dem Mies Van der Rohe Preis der EU ausgezeichnet worden. Carme Pigem unterrichtet seit 1992 Architektur in Vallès, Barcelona und Zürich.


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Der Pressetext

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November Talks 2014
Carme Pigem - Olot, Spanien (Film | 1:37 Min.)

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Bert Große
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